Das letzte Stück nach Sotschi

Nachdem wir unsere Zelte in Kislowodsk abgebrochen haben, ging es über einen Zwischenstopp in Labinsk nach Sotschi, dem Hauptziel unserer Reise. Allerdings nicht ohne große Kontrolle der Zimmer im Sanatorium. Zum Glück waren die Spuren vom Abend schon verwischt und auch die fehlende weiße Plastikschüssel hat sich schnell wieder angefunden.

Weil Christian der Weg über den Pass am Vortrag so gut gefiel, entschieden wir uns heute auch für diesen kleinen Umweg. Leider hatten wir fast den gesamten Weg dicken Nebel. Es war so schlimm, dass wir teilweise den weißen Bus vor uns nicht mehr sehen konnten. Fast wären wir sogar an dem Aussichtspunkt vorbeigefahren. Alexander sei Dank aber zum Glück nur fast. Denn auf Alexander sein kleines „Hüngerchen“ ist eben Verlass und das obwohl es noch nicht einmal Schaschlik gab. Die gefüllten Teigtaschen haben aber auch allen geschmeckt und der Tee war gut gegen die Kälte. Kurz bevor wir weiter fahren wollten, hatte Christian die Idee noch ETWAS Honig zu kaufen. Allerdings erlag er dabei einem kleinen Kaufrausch. Für die nächsten drei Jahre brauchen wir Honig jedenfalls nicht mehr kaufen…

Leider war der wunderbare Blick, den wir gestern in das Gebirge hatten, vom Nebel verschlungen. Was auch das Fahren auf der Serpentinenstraße nicht gerade vereinfachte. (Ein kleiner Vorgeschmack auf die letzten ca. 150 km nach Sotschi.)

Am frühen Abend erreichen wir dann Labinsk. Dort hatten wir ein sehr schönes kleines Hotel, das noch privat geführt wurde. Draußen im Hof haben wir eine lange Tafel aufgebaut und alle zusammen das Abendbrot genossen. Ich glaube es war das erste Mal, dass wir alle gemeinsam am „Abendbrottisch“ gesessen haben.

Für die Planung der Route des nächsten Tages haben wir den Haken „keine unbefestigten Straßen“ in unseren Navis gelöscht und so ging es dann über total kaputte aber landschaftlich wunderbare Schleichwege Richtung schwarzes Meer. Irgendwann hatten wir dann auch einen Lkw mit Gasflaschen vor uns. Die lagen einfach lose auf der Ladefläche und der dünne Spanngurt konnte Christians Nerven nicht beruhigen. Auf Christians Kommentar: „Alex, entweder halte Abstand oder überhole.“ gab Alex natürlich Gas. Am frühen Nachmittag pausierten wir dann einem Schaschlikstand. Plötzlich hielt ein Auto neben uns, ein älterer Herr stieg aus und kam auf uns zu. Ganz direkt fragt er, ob wir aus Deutschland kommen. Er hat das wohl an unsere Nummernschilder erkannt. Kurz stellte er sich vor und erzählte uns dann etwas über die Region. Die nun folgende Geschichte hat jeden von uns berührt. Über die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg insbesondere in dieser Region sehr gut bewandert, erzählte uns der Mann, dass genau an dieser Stelle die Front zwischen Deutschen und Russen gewesen ist. Genau hier war allerdings auch die einzige Wasserquelle in dieser Gegend. Eigentlich unvorstellbar aber wahr: trotz erbitterter Feindschaft teilten sich Deutsche und Russen das Wasser. Jedenfalls solange bis einer erschossen wurde. Seit dem Ende des Krieges treffen sich die ehemaligen Feinde jedes Jahr wieder hier und tauschen Geschichten aus. Ein bisschen die Straße runter zeigte er uns noch einen russischen Soldatenfriedhof, an den Friedhof der deutschen sind wir leider vorbeigefahren. (Anmerkung des Autors: Mein früherer Lieblingsautor Erich Maria Remarque beschreibt selbiges in einer Kurzgeschichte aus dem Ersten Weltkrieg -jedenfalls hatte ich einen ganz schön großen Kloß im Hals.)

Dann endlich erreichten wir das Schwarze Meer! Nachdem wir uns durch den Stadtverkehr von Tuapse gequält hatten, waren wir reif für eine Pause. Auch um den widerlichen Gestank nach Kraftstoff loszuwerden, der die ganze Stadt überdeckte.

Während wir aufs Essen warteten, spielte Christian mit seinem Rollstuhl aufstehen und hinsetzen. Dann gab’s noch eine kleine Therapieeinheit und schon war das Essen fertig. Ein jeder darf raten was es wohl gab. Entspannt und gesättigt ging es dann auf die Piste. 120 km Serpentinenstraße, 3 Stunden zwischen Leben und Tod – immer einen russischen Lkw im Nacken und Gegenverkehr wie bei der Neueröffnung eines Ikea … Allerdings wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem schwarzen Meer belohnt. Nur für ein Foto blieb keine Zeit. Im Hotel in Sotschi angekommen, ging’s erst mal ab an die Hotelbar – kurzzeitig lagen nämlich die Nerven blank. Aber wie immer: Ende gut alles gut.

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