Der Rückmarsch nach Moskau

Nachdem wir in Sotschi noch eine ganz andere Seite Russlands gesehen haben, neigt sich die Reisezeit leider dem Ende entgegen. Vor uns liegen jetzt ca. 1700 km Rückweg, wofür drei Tage eingeplant sind. Das klingt eigentlich ganz entspannt, insbesondere weil die Autobahn nach Moskau gerade fertiggestellt wurde. Wenn man aber berücksichtigt, das die „Morgenroutine“ gut 4 Stunden dauert und anschließend noch die Autos beladen werden müssen, (was mit packen und auschecken auch schnell mal 1,5 Stunde dauern kann) dann wird schnell klar, dass mit 600 km pro Tag so ziemlich die Leistungsgrenze erreicht ist. Aber letztlich hat auch niemand gesagt, dass es einfach wird. 🙂

Bei dem Gedanken an die 3 Stunden Serpentinenstraße die gleich als erstes vor uns liegt, zeichnet sich nicht nur Freude in den Gesichtern ab. 3 Stunden Rodeo am Stück, dass soll ein Cowboy erst mal nachmachen. Zum Glück sind dieses Mal alle etwas ausgeruhter als auf der Herfahrt. Darüber hinaus haben wir feste Pausenzeiten und eine maximale Geschwindigkeit festgelegt. Wie schnell darf man eigentlich auf Russlands Straßen fahren? Naja, das Tacho zeigt ja sowieso immer zu viel an oder? Außerdem soll man sich ja auch immer dem Verkehrsfluss anpassen.

Es war ein Sommertag mit schönstem Wetter. Die Sonne schien und so hat sich das Schwarze Meer noch einmal von seiner besten Seite gezeigt. Anschließend ging’s dann auf die Autobahn. Für diesen Tag war Rostow am Don unser Zwischenziel. Leider sind wir erst spätabends angekommen, deshalb haben wir essenstechnisch auf einen Mac Donald zurückgreifen müssen. Tomas, Alexander und Harro wurden zum Essen holen losgeschickt. Nachdem dann auch Svitlana und Christian das mitgebrachte Essen gegessen hatten, kam Tomas noch mit einem „kleinen“ Wunsch um die Ecke. So ganz beiläufig erwähnte er, dass wir in zwei Tagen ja geplant schon um 20:00 Uhr in Moskau sind. Dann erzählte er noch irgendetwas vom Confederations Cup. Christians Gesicht war ein einziges Fragezeichen. Was ist das und vor allen Dingen was hat es mit uns zu tun. Die erste Frage war schnell beantwortet, ein internationales Fußballturnier und an diesem Abend spielte Kamerun gegen Chile. Anpfiff sollte um 21:00 Uhr Ortszeit sein. Die Antwort auf den zweiten Teil der Frage war dann schon fast lustig: „wir könnten uns das doch Live im Stadion ansehen“. – Tolle Idee, Freitag Abend, zwei Tage vorm Spiel und ohne Karten …

Nun ja, cool wäre das schon und ein tolles Dankeschön auch. Denn die ganze Reise hat das Team alles möglich gemacht was irgendwie ging und sowohl Tomas als auch Alexander immer ganz vorne dabei. Aber Freitag 23:00 Uhr und 1000 km entfernt – da kann nur Torsten helfen.) Als er am nächsten Morgen Christians SMS gelesen hat, haben Torsten und seine Frau Bianca Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt. Letztendlich hat es geklappt aber Bianca -ein erklärter Fußballmuffel- musste mit ins Stadion. Dazu aber später mehr.

Parallel zu dieser organisatorischen Meisterleistung, haben wir die Auto stehen gelassen und sind zu Fuß noch einmal in die Stadt. Christian wollte sein Frühstück unter dem Puschkin Denkmal einnehmen und so wenigstens etwas von der Stadt sehen. Ein kleiner Laden, sogar mit Deutsch sprechender Bedienung, hatte schon auf und unter anderem Kuchen im Angebot. Wenn man Alexander glauben schenken darf, war nicht nur der Kuchen umwerfend… sondern auch der Cappuccino (ein Schelm wer etwas anderes denkt). Gut gestärkt ging’s dann wieder auf die Autobahn… Allerdings nicht ohne umfangreichen E-Mail und SMS Verkehr mit Torsten und Bianca.

In Woronesch angekommen, bezogen wir die Hotelzimmer. Abends an der Hotelbar konnten wir es kaum glauben, dass es erst 15 Tage her ist, dass wir hier gewesen sind, an derselben Stelle saßen und unser Bier getrunken haben. Damals lag alles noch vor uns, wir waren gespannt was auf uns zukommt und was die Reise uns abverlangen wird. Wir diskutierten Tagesabläufe, Dienstpläne und Aufgabenverteilungen denn für so ein Projekt gibt es keine Blaupause.

Heute sind die Gesichter zwar müde und die Gespräche kurz aber in den Augen aller liest man auch Stolz auf das Geleistete.

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